Silent Faces   Die Kunst, nicht zu antworten

Die Idee zu Silent Faces entstand aufgrund eines legendären Fernsehdokuments aus dem Jahr 1969, als der Boxer Norbert Grupe, der am Vortag eine empfindliche Niederlage hatte einstecken müssen, auf alle Fragen des Journalisten schwieg.Im Talkshow-Rausch unserer Tage, wo der Interviewte die Antwort schon kennt, ehe sie gestellt ist, nahm Robert Schneider das beharrliche Schweigen Norbert Grupes zum Modell und drehte 40 kurze Videoclips, worin jeder Person eine Frage gestellt wird, auf die sie nicht antworten soll. Der Autor suchte in seiner unmittelbaren Nachbarschaft nach Bekannten, Unbekannten, nach regionalen oder überregionalen Berühmtheiten, 

die gewillt waren, sich auf das Experiment einzulassen. Silent Faces sollte ein breites Spektrum der Gesellschaft abbilden, von der Verkäuferin im Supermarkt zur alpinen Weltcup-Legende, vom Obdachlosen zum Landesbischof, vom Skinhead zur Hebamme, vom Filmregisseur zum ehemaligen Formel-I-Fahrer, von der lokalen Rock’n-Roll-Legende zur Bergbäuerin.Entstanden sind 50 Minuten Schweigen und Nachdenken, das einen, je tiefer man sich auf die Gesichter einlässt, immer mehr in den Bann zieht. Menschen können im Schweigen oft beredter sein als im Sprechen.

Eleonore Schönborn   Heimfinden

Sie stammt aus einer alten, lange vergangenen Welt, in der noch Kutschen fuhren und Eltern gesiezt wurden. Die Nachwehen der Donaumonarchie prägten ihre Kindheit. Gräfin Eleonore Schönborn – die Mutter des Wiener Erzbischofs Christoph Schönborn – wuchs in einem behüteten Zuhause auf. Bis eines Tages ein Gendarm an der Tür klingelte und ein Dekret verlas, wonach die Schönborns binnen einer Stunde ihr Haus zu verlassen hatten und nur das mitnehmen durften,

was sie auf Händen tragen konnten. So beginnt die Flüchtlingsgeschichte der Eleonore Schönborn. Mit beeindruckender Klarheit erzählt sie davon, wie sie völlig mittellos mit drei kleinen Kindern durch halb Europa vagierte, auf der Suche nach einem neuen Zuhause.

24xLeuchten   Ein Adventskalender

Als die Flüchtlingsströme aus dem vom Bürgerkrieg geschundenen Syrien immer größer wurden und Europa endlich erwachen und handeln musste, beschäftigten uns die täglichen Bilder der verzweifelten Menschenmassen vor endlosen Zügen, in vom Regen aufgeweichten Zeltstädten und an den Küsten Lampedusas. Diese gedemütigten Menschen hatten kein Gesicht – so kam es uns vor.Jedes Schicksal hat aber ein Gesicht, und dieses Gesicht verdient es, wenigstens ein Mal genau betrachtet zu werden. Das war die Grundidee zu dem Projekt 24xLeuchten. Wir bereiteten eine Art filmischen Adventskalender für den Blog einer lokalen Tageszeitung vor, wo täglich eine Tür zu einem Menschen aufgetan werden sollte, der durch Krieg und Verfolgung alles verloren hatte. Dabei wurden nicht nur Flüchtlinge aus Syrien porträtiert, sondern aus dem Kosovo, aus Tschetschenien,

aus dem Sudetenland, der ehemaligen Tschechoslowakei, dem Irak, der Mongolei, Pakistan und Somalia. Während der Dreharbeiten wurden wir immer wieder von der tiefen inneren Würde der Porträtierten überrascht. Bei den Vorgesprächen an den kargen Tischen der Flüchtlingsheime wurde uns plötzlich bewusst, dass es nur eine Armlänge zum Gegenüber ist, dass in Wohlstand und Frieden zu leben nicht selbstverständlich ist, und dass wir genau so gut auf dem Stuhl gegenüber sitzen könnten.Getragen wurde 24xLeuchten durch eine geheimnisvolle Ruhe, die die Menschen zu den Dreharbeiten mitbrachten. Als Herr Mohamed Jalal, der mit ansehen musste, wie seine Frau und die beiden Töchter erschossen wurden, uns ein Wiegenlied schenkte, stockte allen der Atem. Unvergesslich hat sich dieses stille, so berührende Projekt in unsere Köpfe und Herzen eingebrannt.

Herbert Albrecht   Heimkehren

Mit 18 Jahren kehrte er halbverhungert aus dem Krieg zurück, “völlig verhundet”, wie er sich ausdrückt. Der Vater war enttäuscht, seinen Sohn noch lebend zu sehen, war dieser nicht auf dem “Feld der Ehre gefallen”. Die Mutter versuchte, ihr Kind wieder an normale Mahlzeiten zu gewöhnen, doch das aß lieber die Reste im elterlichen Schweinekoben, denn die erbrach es nicht.Mit geradezu unheimlicher Intensität erzählt der Bildhauer und Zeichner Herbert Albrecht aus Wolfurt (Vorarlberg) – ein Schüler Fritz Wotrubas – von seinen Erlebnissen im II. Weltkrieg.

Wie er mit seinen Kameraden in russische Gefangenschaft geriet, wie sie beschlossen, einen Aufseher zu erschießen, um flüchten zu können, wie er monatelang durch endlose Wälder irrlichterte und einen armen russischen Bauern ausraubte, ums selbst zu überleben … Herbert Albrecht gelangt zu dem bitteren Resümee, dass  in einem Krieg, egal wo auf der Welt,  jeder schuldig wird, ob er daran teilnimmt oder nicht, ob er ein Mitläufer ist oder ein Gegner – er wird schuldig. Das ist das Kainsmal seiner Generation.

Das vorliegende Dokument ist ein Rohschnitt. Das Material ist noch nicht publiziert.